Wenn Wasser nur noch langsam abläuft oder unangenehme Gerüche aus dem Abfluss kommen, ist die Ursache oft nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Eine Rohrkamera-Untersuchung hilft, Verstopfungen, Schäden oder Ablagerungen gezielt zu lokalisieren – und macht die anschließende Rohrreinigung planbar, schneller und meist günstiger.
Im Alltag wird bei Abflussproblemen häufig zuerst „auf Verdacht“ gereinigt: Spirale rein, viel Wasser nach, vielleicht ein chemischer Reiniger. Das kann kurzfristig helfen, löst aber nicht immer die eigentliche Ursache. Besonders bei wiederkehrenden Verstopfungen, Verdacht auf Wurzeleinwuchs oder beschädigten Leitungen ist eine visuelle Prüfung mit einer speziellen Kamerasonde der sauberste Weg, um fundierte Entscheidungen zu treffen. Sie erhalten damit nicht nur einen Status quo, sondern auch eine belastbare Grundlage für Maßnahmen wie professionelle Rohrreinigung, Abflussreinigung, Leckortung oder sogar eine gezielte Kanalsanierung.
Materialien & Werkzeuge
- Rohrkamera (Schiebekamera/Kamerasonde) – liefert Live-Bild aus der Leitung, oft mit LED-Beleuchtung.
- Monitor/Recorder – zur Bildausgabe und optionalen Dokumentation (Video/Foto).
- Ortungssender (Sonde) & Empfänger – markiert Verlauf und Position der Kamera von außen (z. B. im Garten oder unter Estrich).
- Zugangsöffnung (Revisionsklappe/Reinigungsöffnung) – ermöglicht das Einführen der Kamera ohne Demontage.
- Schutzausrüstung – Handschuhe, Schutzbrille, ggf. Einmalanzug für hygienisches Arbeiten.
- Reinigungsgeräte (optional) – z. B. Hochdruckspülung oder elektromechanische Spirale, falls direkt nach der Sichtprüfung gereinigt wird.
- Protokollvorlage – um Befunde, Leitungsabschnitte und Empfehlungen nachvollziehbar festzuhalten (nützlich für Vermieter, Versicherung, Hausverwaltung).
Schritt-für-Schritt: So läuft die Untersuchung ab
- Symptome eingrenzen
Notieren Sie, wo das Problem auftritt (Küche, Bad, Keller), ob es gluckert, riecht oder nur bei bestimmten Wassermengen staut. Diese Hinweise helfen, den betroffenen Leitungsstrang richtig zu wählen. - Zugang festlegen
Idealerweise wird über eine Reinigungsöffnung oder einen Revisionsschacht gearbeitet. Das minimiert Aufwand und verhindert unnötiges Zerlegen von Siphon oder Sanitärteilen. - Leitung vorbereiten (wenn nötig)
Bei starkem Rückstau oder komplett gefüllter Leitung ist eine kurze Vorreinigung sinnvoll, damit die Kamera nicht „im Schlamm“ filmt. Fachbetriebe kombinieren die Sichtprüfung oft mit einer ersten Abflussreinigung. - Kamera einführen und Live-Bild auswerten
Die Sonde wird langsam vorgeschoben. Gute Systeme zeigen Meterangaben, sodass Auffälligkeiten (z. B. Risse, Versätze, Fettablagerungen) präzise zugeordnet werden können. - Typische Befunde erkennen
Häufige Ursachen sind Fett- und Seifenstein, Kalkkrusten, Fremdkörper, Wurzeleinwuchs, Rohrbruch, Muffenversatz oder „Bäuche“ (Durchhang mit Ablagerungszone). Die Kamera macht sichtbar, ob eine einfache Rohrreinigung reicht oder ob eine Sanierung geplant werden sollte. - Position orten und markieren
Mit Ortungstechnik lässt sich die genaue Stelle von außen bestimmen. Das ist besonders hilfreich, wenn später punktuell geöffnet werden muss (z. B. unter Pflaster oder im Kellerboden) – statt großflächig zu graben. - Maßnahme ableiten: Reinigung, Fräsen, Spülen oder Sanierung
Aus dem Bild ergibt sich die passende Lösung: Hochdruckspülung gegen Fett/Sand, Kettenschleuder/Fräskopf gegen harte Ankrustungen, Wurzelfräsen bei Einwuchs oder Inliner-Verfahren bei strukturellen Schäden. - Dokumentation & Empfehlung erhalten
Ein kurzes Protokoll mit Bildern/Video schafft Transparenz. Das unterstützt interne Abstimmungen (z. B. mit Hausverwaltung) und ist eine gute Basis, wenn Sie Angebote für Rohrreinigung, Dichtheitsprüfung oder Kanalsanierung vergleichen.
Wichtig: Eine Rohrkamera ist kein „Gadget“, sondern ein Diagnosewerkzeug. Sie sparen meist Zeit, weil nicht mehrfach „probiert“ wird, und Sie reduzieren das Risiko, durch ungeeignete Maßnahmen (z. B. falsche Spirale) zusätzliche Schäden zu verursachen. Gerade bei wiederkehrenden Problemen lohnt sich die Investition in eine professionelle Rohrinspektion, um die Ursache dauerhaft zu beheben.
Häufige Fehler – und wie Sie sie vermeiden
- Zu früh „auf Verdacht“ reinigen – Lassen Sie bei wiederkehrenden Verstopfungen erst die Ursache klären; danach ist die Rohrreinigung zielgerichteter.
- Chemische Reiniger als Standardlösung – Sie helfen selten bei festen Ablagerungen oder Wurzeln und können Material angreifen; besser: fachgerechte Abflussreinigung.
- Falscher Einstiegspunkt – Wird an der falschen Stelle eingeführt, bleibt der eigentliche Problembereich ununtersucht; nutzen Sie Revisionsöffnungen oder lassen Sie den Leitungsverlauf vorab prüfen.
- Keine Ortung durchführen – Ohne Positionsbestimmung wird später unnötig aufgestemmt oder gegraben; Ortung spart Kosten und vermeidet Folgeschäden.
- Befund unterschätzen – Ein kleiner Riss oder Versatz kann sich schnell verschlimmern; klären Sie zeitnah, ob eine punktuelle Reparatur oder Kanalsanierung sinnvoll ist.
- Keine Dokumentation anfordern – Ohne Bilder/Video fehlen Nachweise für Vermieter, Versicherung oder Folgegewerke; bitten Sie um ein kurzes Protokoll.
Fazit
Eine Rohrkamera-Untersuchung schafft Klarheit, bevor Zeit und Geld in die falsche Maßnahme fließen. Sie zeigt, ob eine schnelle Rohrreinigung ausreicht oder ob gezielte Schritte wie Wurzelentfernung, Dichtheitsprüfung oder Kanalsanierung nötig sind – und ermöglicht so eine planbare, saubere und nachhaltige Lösung.