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Müssen Mieter die Rohrreinigung bezahlen? Zuständigkeit klären, Belege sichern, Streit vermeiden

Von Martin

Ein verstopfter Abfluss in der Mietwohnung ist nicht nur lästig, sondern führt oft sofort zur Kostenfrage: Wer beauftragt die Reinigung, und wer trägt am Ende die Rechnung? Entscheidend sind Ursache, Leitungsabschnitt und die richtige Dokumentation, bevor Sie einen Dienstleister rufen. Mit einem klaren Vorgehen vermeiden Sie unnötige Ausgaben und haben im Zweifel die besseren Argumente gegenüber Vermieter oder Hausverwaltung.

Kostenfrage verstehen: Wovon die Zuständigkeit meist abhängt

In der Praxis wird die Rechnung häufig danach verteilt, wo die Verstopfung sitzt und warum sie entstanden ist. Vereinfacht gilt: Liegt die Ursache im normalen Gebrauch oder in der Bausubstanz (z. B. Ablagerungen über Jahre, Wurzeln, fehlerhaftes Gefälle), ist der Vermieter eher in der Pflicht. Entsteht die Blockade durch unsachgemäße Nutzung (z. B. Speisereste, Fett, Hygieneartikel, Katzenstreu), kann die Kostenlast beim Mieter landen. Wichtig: Das ist keine starre Regel, aber ein sehr gängiger Maßstab bei Hausverwaltungen und in Streitfällen.

Damit Sie nicht „ins Blaue hinein“ beauftragen, lohnt sich ein strukturiertes Vorgehen. Das schützt Sie auch vor dem Risiko, dass ein Vermieter die Erstattung ablehnt, weil er vorher nicht informiert wurde oder weil die Ursache nicht nachvollziehbar ist.

Scope & Preconditions: Das sollten Sie vor dem Start prüfen

Bevor Sie selbst Hand anlegen oder eine professionelle Rohrreinigung beauftragen, klären Sie diese Punkte:

  • Betroffener Bereich: Ist nur ein Waschbecken langsam oder sind mehrere Abläufe betroffen (Küche, Bad, WC)? Mehrere betroffene Stellen sprechen eher für eine Leitung weiter „hinten“ und damit öfter für Vermieter/Hausgemeinschaft.
  • Mietvertrag & Kleinreparaturklausel: Prüfen Sie, ob es Regelungen zu Kleinreparaturen gibt. Rohrreinigung wird jedoch häufig nicht als klassische Kleinreparatur behandelt, weil Leitungen oft außerhalb des direkten Zugriffs liegen.
  • Hausverwaltung kontaktieren: Melden Sie den Mangel frühzeitig schriftlich (E-Mail reicht meist). Bitten Sie um Freigabe/Beauftragung oder um eine klare Aussage zur Kostentragung.
  • Dokumentation sichern: Fotos/Videos vom Symptom (Wasser staut, läuft sehr langsam, Geräusche) und notieren Sie Datum/Uhrzeit. Das hilft später bei der Rechnungsklärung.
  • Keine riskanten Chemikalien: Aggressive Rohrreiniger können Dichtungen schädigen und im Einsatzfall den Fachbetrieb gefährden. Außerdem kann Ihnen unsachgemäße Anwendung als Mitverursachung ausgelegt werden.
  • Gefahr im Verzug: Tritt Wasser aus oder droht ein Schaden an Boden/Wänden, handeln Sie sofort (Wasser abstellen, Vermieter anrufen). In solchen Fällen ist eine schnelle Abflussreinigung im Notdienst oft gerechtfertigt.

Praxis-Tipp: Formulieren Sie Ihre Meldung sachlich, ohne Schuldzuweisung („Abfluss in der Küche seit heute Morgen verstopft, Wasser staut bis Beckenrand, erste einfache Maßnahmen ohne Erfolg“). So bleibt die Kommunikation lösungsorientiert.

Timeline: Typischer Ablauf von der Meldung bis zur Kostenklärung

Je nach Dringlichkeit und Zuständigkeit läuft die Klärung meist in diesen Phasen ab:

  1. Sofortmaßnahmen (10–30 Minuten): Wasserzufuhr reduzieren/abstellen, Bereich sichern, sichtbare Siebe reinigen, vorsichtig mit Pömpel arbeiten (ohne Chemie).
  2. Meldung an Vermieter/Hausverwaltung (30–60 Minuten): Schriftlich informieren, Symptome schildern, Fotos beifügen, um Rückmeldung zur Beauftragung bitten.
  3. Entscheidung & Terminierung (1–5 Werktage): Bei nicht akutem Fall erfolgt Terminabstimmung. Bei akuter Einschränkung (kein Abfluss, Gefahr von Wasserschäden) deutlich kommunizieren.
  4. Durchführung vor Ort (30–120 Minuten): Der Fachbetrieb lokalisiert und beseitigt die Blockade. Seriöse Anbieter erläutern kurz Ursache/Ort und dokumentieren den Zustand.
  5. Rechnungsprüfung & Zuordnung (15–45 Minuten): Rechnung auf Positionen prüfen (Anfahrt, Arbeitszeit, Zuschläge, Material). Vermerken lassen, wenn Ursache z. B. „Ablagerungen/normaler Gebrauch“ statt „Fremdkörper“ war.
  6. Erstattung/Weiterbelastung (2–8 Wochen): Je nach Vereinbarung wird die Rechnung direkt vom Vermieter beglichen oder nachträglich erstattet bzw. an den Verursacher weitergegeben.

Materials & Quantities: Sinnvolle Hilfsmittel (und was Sie besser lassen)

Für einfache, schonende Erste-Hilfe-Maßnahmen reichen meist wenige Dinge. Ziel ist nicht „Reparieren um jeden Preis“, sondern sauber prüfen und Folgeschäden vermeiden:

  • Pömpel (1×): Passende Größe fürs Becken/WC wählen; ein weicher Rand dichtet besser ab und reduziert Spritzer.
  • Eimer (1×, 10–12 l): Zum kontrollierten Ausschöpfen und zum Auffangen beim Öffnen des Siphons.
  • Einmalhandschuhe (1 Packung): Nitril ist robuster als Latex; ideal, wenn Sie den Siphon reinigen.
  • Mikrofasertücher (3–5×): Für Spritzwasser, um Arbeitsbereich trocken zu halten.
  • Rohrreinigungsspirale (1×, 3–5 m) – nur bei Erfahrung: Für Waschbecken/Dusche sinnvoll, wenn Sie vorsichtig arbeiten. Bei Unsicherheit lieber stoppen, um Kratzer oder gelöste Verbindungen zu vermeiden.
  • Taschenlampe (1×): Hilft, den Siphon und Anschlussbereiche auf Undichtigkeiten zu prüfen.
  • Smartphone (1×): Für Fotos/Videos als Nachweis und zur besseren Abstimmung mit Vermieter oder Rohrreinigungsservice.

Besser vermeiden: Stark ätzende Mittel, „Wundermittel“ aus dem Internet und ungezielte Hochdruckversuche ohne Fachkenntnis. Das kann Schäden verursachen und die spätere Beweisführung erschweren.

Budget & Saving Tips: Realistische Kosten und wie Sie fair sparen

Die Kosten einer Reinigung hängen stark von Uhrzeit, Zugang und Aufwand ab. Als grobe Orientierung (regional unterschiedlich):

  • Einfacher Einsatz tagsüber (lokale Verstopfung): häufig ca. 120–250 €
  • Abends/Wochenende/Notdienst: häufig ca. 200–450 € (Zuschläge möglich)
  • Aufwendiger Fall (schwer zugängliche Strecke, mehrere Ansätze): grob 350–800 €

Damit Sie nicht zu viel zahlen und gleichzeitig korrekt handeln, helfen diese Tipps:

  • Vor Beauftragung Zuständigkeit klären: Wenn möglich, lassen Sie Vermieter/Hausverwaltung den Rohrreinigungsservice beauftragen. Das reduziert Diskussionen über die Rechnung.
  • Transparente Preise einholen: Fragen Sie nach Anfahrt, Mindestpauschale, Stundensatz, Zuschlägen und ob ein Festpreis möglich ist. Seriöse Anbieter erklären das klar.
  • Rechnung mit Ursache/Ort: Bitten Sie darum, dass auf dem Leistungsnachweis steht, wo die Blockade saß und welche Art der Ursache festgestellt wurde (z. B. Ablagerungen vs. Fremdkörper).
  • Nicht am falschen Ende sparen: Billigangebote ohne Impressum, ohne Preisangaben oder mit aggressiver Telefonakquise sind ein Risiko. Bei Sanitärarbeiten und Leitungen geht Sicherheit vor.
  • Schäden vermeiden, die Sie später zahlen: Eigenversuche, die Dichtungen lösen oder Rohre beschädigen, können aus einer kleinen Verstopfung einen teuren Wasserschaden machen.
  • Prävention ohne Streitpotenzial: Siebe nutzen, Fett und Speisereste nicht in den Abfluss, regelmäßig heißes Wasser nachspülen (ohne Chemie). Das senkt die Wahrscheinlichkeit wiederkehrender Probleme.

Wenn bereits klar ist, dass mehrere Wohnungen betroffen sind oder der Verdacht auf ein Problem in der gemeinschaftlichen Leitung besteht, ist eine zügige Abstimmung mit der Hausverwaltung sinnvoll. In solchen Fällen wird die Beauftragung einer professionellen Rohrreinigung oft zentral organisiert, damit die Ursache fachgerecht behoben und sauber dokumentiert wird.

Fazit: Mit dem richtigen Ablauf behalten Sie Kosten und Verantwortung im Griff

Ob Sie als Mieter zahlen müssen, entscheidet sich selten an einer einzelnen Aussage, sondern an Ursache, Lage der Verstopfung und nachvollziehbaren Belegen. Melden Sie das Problem früh, dokumentieren Sie den Zustand und vermeiden Sie riskante Eigenmaßnahmen. So können Sie – falls eine Beauftragung nötig ist – gegenüber Vermieter oder Hausverwaltung sachlich begründen, warum ein Einsatz durch einen Fachbetrieb erforderlich war und wie die Kosten fair zuzuordnen sind.

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